Jamaika an der Saar: Das Ende des Lagerdenkens
Sonntag, Oktober 11th, 2009 von Lars BrücherHeute hat sich die Landesdelegiertenkonferenz mit großer Mehrheit für Koalitionsverhandlungen mit CDU und FDP entschieden. Die Verhandlungskommission hatte mit rot-rot sowie mit schwarz-gelb gleichwertige inhaltliche Schnittmengen gefunden, sah aber in der schwarz-gelb-grünen Konstellation aufgrund der nicht berechenbaren Linken im Saarland eine stabilere Möglichkeit der Zusammenarbeit mit CDU und FDP. Natürlich muss das der Koalitionsvertrag und die in den nächsten vier Jahren praktizierte Politik noch beweisen. Wichtig für die Grünen ist aber nach schwarz-grün in Hamburg der nun engültige Ausbruch aus dem Lagerdenken der Parteienlandschaft. Es ist hinlänglich bekannt, dass die Wählerinnen und Wähler für solche ideologisch begründeten Selbstbeschränkungen kein Verständnis mehr haben. Es ist nicht zu beweisen, aber es ist durchaus vorstellbar, dass das selbst auferlegte Jamaika-Koalitionsverbot auf Bundesebene einige Stimmen gekostet hat, weil unseren bürgerlich gesinnten WählerInnen die Machtperspektive fehlte. Die deutlich besseren Ergebnisse der schleswig-holsteinische Grünen, die Jamaika explizit nicht ausgeschlossen hatten, spricht jedenfalls für diese Vermutung. Dank der saarländischen Entscheidung könnten wir vor einer Zukunft stehen, in denen Koalitionen aufgrund von Inhalten und deren Umsetzbarkeit und nicht nach Farbenlehren des 20. Jahrhunderts geschlossen werden. Ein Gewinn für unsere Demokratie.